Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne – so auch dem Anfang eines Single Parent Lebens. Am Anfang sieht der Zauber häufig so aus, als hätte Ron Weasley seinen zerbrochenen Zauberstab in Dein Leben gehalten, aber hey, es ist ein Zauber. Und bei manchem, was einem nun begegnet, könnte man tatsächlich schleimige Nacktschnecken erbrechen – kübelweise.

Es mag einen Unterschied machen, wie man in die Situation Single Mom oder Dad kommt. Da gibt es den wohl schlimmsten Fall: der Partner ist verstorben. Hier bricht ohne Frage wirklich die ganze Welt über einem zusammen. Dann gibt es diejenigen, die sich selber für diesen Weg entscheiden, weil sie ihr Leben einfach nicht länger mit dem anderen Elternteil leben möchten. Ein mutiger Schritt und vermutlich die Gruppe unter uns, die am häufigsten angefeindet wird. Einen beachtlichen anderen Teil machen dann diejenigen aus, die mit Kind schlicht und ergreifend verlassen wurden. Besonders
hier kocht die Wut häufig über – verständlich. Hilft nur leider nicht, denn ein Ventil für diese Wut wird es nie geben. Es kann nur Strategien geben. Bewältigungsstrategien und die beginnen in deinem Kopf.

Mein Fall: Schwangerschaftstest gemeinsam mit dem Partner gemacht, der immer wieder von Kindern sprach – die Reaktion
ambivalent. Da war ein Funke Freude, aber noch mehr plötzliches, persönliches Chaos. Der weitere Verlauf? Gespräche, Funkstille, Gespräche, Anwälte, ein Gerichtsurteil zum Unterhalt, gelegentliche Besuche des Kleinen, monatelange Funkstille, erneute Besuche des Kindes, Funkstille. Alles ohne persönliche Streiterei, worum ich dem Kleinen zur Liebe auch dankbar bin. Und dennoch, es gab da diesen Moment. Irgendwann am Anfang, als ich mich mal wieder fragte, warum genau ich das Abenteuer Kind alleine meistern muss. Mir ist völlig klar, dass ich auf diese Frage niemals eine Antwort bekommen werde – selbst wenn, würde sich jede erdenkliche Antwort wohl meinem Verständnis entziehen, weshalb ich diese Frage immer
wieder gerne begrabe. Leider buddelt sie sich in Tiefphasen von alleine wieder aus. Ein Mumien-Leben vom Feinsten führt diese Frage irgendwo ganz tief in mir verwurzelt. Doch da gab es diesen Moment. Und den möchte ich hier ganz nach vorne stellen.

Ein Moment, indem ich plötzlich dankbar war. Dankbar, in diese Situation gezwungen worden zu sein. Denn plötzlich wurde mir klar, dass ich mich nie so früh mit dem Thema Altersvorsorge beschäftigt hätte. Ich habe das Gefühl die Welt nun mehr als das zu sehen, was sie ist und weniger in einer heilen Wolke zu leben. Ich bin durch den Weg, den ich bislang gegangen bin viel informierter über ganz viele Bereiche, die Familien betreffen, als die meisten Elternpaare, die sich aufeinander verlassen und sich vertrauen können. Viele Fragen hätten sich mir nie gestellt, wenn ich meine eigentliche Vorstellung von Familie leben würde. Aber das tue ich nicht. Das meine ich auch gar nicht theatralisch. Ich bin ehrlich, ich schaffe es irgendwie und
bislang haben wir auch dank familiären Rückhalts ein ganz gutes Leben zu zweit, aber ich würde mein Leben schon gerne mit einem Partner teilen, der einfach gerne Teil unseres Lebens ist, mit dem man sich austauscht und Entscheidungen treffen kann. Ich denke kaum jemand von uns hat es geplant plötzlich alleine für ein Kind oder sogar mehrere zu sorgen. Genauso wie frisch Verheiratete wohl weniger an Scheidung denken – nur waren diejenigen, die geschieden sind, auch mal frisch verheiratet und haben wohl nicht an Scheidung gedacht.

Dankbarkeit ist ein ganz, ganz wichtiger Teil, wenn es um Selbstheilung geht. Ein anderer Teil ist Vergebung. Und damit meine
ich nicht, sich einzureden, dass es ja nicht so schlimm ist, dass ein Elternteil die Verantwortung komplett ablehnt und das in der Regel leider sogar äußerst erfolgreich. Hier gibt es ganz klar keine Entschuldigung und auch für den Staat gibt es keine
Entschuldigung, denn der versagt hier auf ganzer Linie. Es wird immer über die Rechte gesprochen, die ein Elternteil hat oder
zugesprochen bekommen möchte, aber es wird selten über die Pflichten gesprochen. Und schon gar nicht darüber, Pflichten
einzuführen, die dem Kind dienen – wie beispielweise eine Umgangspflicht – nicht nur ein Umgangsrecht. Vorausgesetzt, wir
sprechen nicht von Fällen in denen häusliche Gewalt, Drogen- oder Alkoholmissbrauch vorkommen.

Mit Vergebung meine ich: Vergebt das, was ihr vergeben könnt. Nicht für den anderen, sondern nur für euch selbst. Denn der Zorn nagt nicht nur an der Seele, sondern ganz bald auch an eurem Körper. An den Organen, am Immunsystem. Der Zorn macht krank und nur unser eigenes Mindset kann uns aus dieser Falle befreien. Das ist sehr viel Arbeit und auch ich bin noch lange nicht da, wo ich eigentlich sein möchte, aber ich versuche mich in ein Mindset zu kämpfen, dass bis in mein Unterbewusstsein sickern und mich aus einer körperlichen Abwärtsspirale befreien kann. Helfen können Podcasts (zum Beispiel „Taking back your power“), Meditation oder die Erstellung eines Visionboards (mehr dazu im DIY Visionboard for
Life).

Der eigentliche Zauber des Anfangs vom Single Parent Dasein sind jedoch die Chancen, die Du nun hast. Deine Welt verändert sich, Karten mischen sich neu, Werte werden reflektiert und plötzlich hast Du die Möglichkeit bewusste Ziele festzulegen. Du magst den Verlust sehen, aber da ist auch die Chance vom Anfang eines selbstbestimmteren Lebens. Chance auf Freiheit (ich weiß, das klingt paradox), auf Informationen, auf Lebenswege, die Du nie gegangen wärst, auf neue Begegnungen, die Dich in Deinen Träumen weiterbringen. Wie ein Vogel, der sich das erste Mal aus dem Nest stürzt, um seine Flügel zu entdecken.

Schau Dir Dein Leben an und betrachte es nicht als Scherbenhaufen, eher als ein Haufen glitzernder Diamanten. Du hast die Möglichkeit nun umzudenken und all das in Dein Leben zu ziehen, was Du haben möchtest. Was möchtest Du erreichen? Und wie kommst Du dorthin? Organisiere Dich, kenne Deine Zahlen, spiele Dich mit Deinen Kindern ein, räum Dir Zeit für Dich ein und lerne das ganz ohne schlechtes Gewissen zu tun. Bitte ruhig um Hilfe, denn was wir oft vergessen: Es braucht ein Dorf, ein Kind zu erziehen. Früher war es ganz selbstverständlich, dass ganze Dörfer oder Großfamilien Kinder großziehen. Du leistest alleine so unendlich viel und Du darfst auch mal abgeben, das ist vielleicht sogar zur Bereicherung aller Beteiligten.

Es hilft sich mit diesem Neuanfang intensiv zu beschäftigen und festzulegen, wohin die Reise gehen soll. Gehe die kleinen Schritte. Schau Dir den Berg, den Du erklimmst, erst gar nicht an. Gehe einfach Schritt für Schritt und gelegentlich schaue zurück und freu Dich über all das, was Du schon hinter Dir gelassen hast. Es wird ein neues Wir geben, ein neues Ich und da es Stabilität nur im Wandel gibt, veränder Dich. Veränder euch und zwar so, wie es Spaß macht.